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RADSTURZ MIT SCHLÜSSELBEINBRUCH 3.8.2012

Der Weg ist das Ziel? Auf jeden Fall, JA, wenn einem ein gebrochenes Schlüsselbein dabei die Augen ein wenig öffnet.

 

Und wie kam es zu dem „Flügel“-Bruch?...Wir schreiben Freitag den 3. August 2012. Gerade ein paar Tage zuvor hatte ich mich überwunden, mir doch noch einen neuen knallblauen Sport/Schwimm-Bikini für die Saison 2012 und das traumhafte Wetter in unserem wunderschönen Weinheimer Freibad anzuschaffen. Man gönnt sich ja sonst nichts...Und was war er für ein wunderschöner sonniger und warmer Sommertag, Freitag der 3. August. Aber alle Sonne half nichts, denn Ich war im Verzug mit meinem Tagesablaufplan und somit „etwas“ gehetzt dem Freibad entsprungen um direkt für 90 Minuten mit dem Rad durch die Felder zu sprinten. Einer 3-stündigen Pause sollte dann noch einmal eine mittellange aber harte Radausfahrt folgen. Ich entstieg dem kühlen Nass, schwang meinen Hintern auf das treue Gefährt lies das Handy zu Hause, denn es ging ja nur für 90 Minuten raus auf die Strasse und durch die Felder. Völlig ungefährliche Strecke. 

 

Schlechte Idee aber, wie sich nur 50 Minuten später heraus stellte.

 

Ich hatte gerade den Wendepunkt meiner Strecke passiert und kurbelte -  nach einem der letzten Sprints dieser Einheit – locker vor mich hin während meine Gedanken abschweiften und sich irgendwo zwischen Trainingsplänen und Terminkalender befanden. Als ich plötzlich Grass und Geröll statt Strassenbelag unter mir langfliegen sah, war es auch schon zu spät. Auch wenn ich nur 32-34kmh drauf hatte...der Weg ab von der Strasse führte direkt eine kleine Böschung hinunter und das auf mich zuschiessende lange Grass ließ mich aus Reflex die Bremsen mehr oder weniger schlagartig zuknallen. Logische Reaktion darauf war ein kleiner Vorwärtsüberschlag...das Rad löste sich von den eingeklickten Radschuhen und flog ein bis zwei Meter weiter (landete zum Glück sanft im hohen Gras) und ich machte eine sportliche Vorwärtsrolle über die linke Schulter. Ich kam sogar wieder mit Schwung auf den Füßen zum Stehen. Aber irgendwas war nicht mehr so, wie es vorher war. Ich schüttelte also den Kopf um zu testen ob der noch richtig sass und schnappte mir mit beiden Händen mein Rad – als ich es hoch zog machte es einmal „KNIRRRRRRRRRSCH-KNACKS“ in der linken Schulter und ich hatte das Gefühl mir schießt ein Blitz durch den Leib. AUA!!!!!! Super, also ohne Handy mit aufgeschlagenem Knie und dem Unwissen was da mit der Schulter nicht ganz richtig ist, wieder durchs Gestrüpp zurück zur Strasse und dort vorsichtig auf Radschuhen Richtung Gewerbegebiet gewackelt...irgendwer wird schon anhalten dachte ich. Nix war’s - ein LKW nach dem anderen brauste an mir vorbei. „Bitte bitte bitte...irgendwer MUSS doch mal anhalten“ dachte ich schon leicht verzweifelt. Dann sah ich einen Engel in einem kleinen flotten Cabriolet die Strasse entlangflitzen und zum Glück hielt er (der Engel) auf mein energisches Winken hin auch sofort an. Vom Himmel geschickt!!! An dieser Stelle noch einmal einen ganz ganz großen Dank an meine Retterin, die mit einer ENGELSGEDULD mich UND mein Rad zur Notaufnahme nach Lorsch beförderte. DANKE!

 

So, und an dieser Stelle sei ALLEN Unfallverletzten geraten, sich IMMER eine zweite und dritte Arzt-Meinung einzuholen. Hätte ich auf den Rat des höchst merkwürdigen Assistenzarztes in der Lorscher Notaufnahmen („das kann man so lassen - muss man nicht operieren“) gehört hätte ich mit Sicherheit einen seltsamen Knochenhaufen in meiner linken Schulter zusammenheilen lassen. Mal abgesehen von den abartigen Schmerzen die ich für wesentlich länger hätte ertragen müssen. Es macht einen VERDAMMT GROßEN Unterschied, einen aufmerksamen Arzt vor sich zu haben, der ein klein wenig Verständnis dafür aufbringt, dass man doch sehr gerne wieder zurück in den Sport möchte aus dem man sich gerade selbst befördert hat. Ich hatte wenig Interesse an einem Schultergürtel, der auf der einen Seite 1,5 cm kürzer war, als auf der anderen. Das wäre meinen ewigen Bemühungen meine Schwimmleistung zu verbessern nicht wirklich förderlich gewesen! Wer ein bisschen Ahnung vom Aufbau unseres Schultergürtels hat, kann sich denken, was mit großer Sicherheit das nächste Problem gewesen wäre: Impingement. 

 

Okay, also, nachgedacht und zum Glück an der Uniklinik in Mannheim den PERFEKTEN Arzt und MENSCH gefunden um das Schlüsselbein wieder voll einsatzfähig zu machen. Und ab der Sekunde nach der OP am 8. August  ging es wieder rapide auf- und vorwärts. Nach weniger als drei Wochen post-OP bin ich am Ergometer-fahren, Rumpf- und Beinkraft trainieren, Maschieren und seit heute (29.8.) auch wieder am Laufen. Klar, sehr sehr vorsichtig – nicht lange und garantiert nicht schnell – ABER ich laufe. Und ich bin mir sicher ab jetzt jeden Tag mehr. Der Arm lässt sich passiv auch schon wieder in alle Richtungen bewegen. TOP!

 

 FAZIT: Ich habe in den letzten drei-vier Wochen seit meinem Unfall meine gesamte Nachbarschaft kennenlernen und als unglaublich unterstützend erleben dürfen. Selbst die Bauarbeiter von gegenüber wollten mir helfen meinen Einkauf zu tragen. Im Supermarkt gab es immer jemanden, der mir den Einkauf in die Rollertasche gepackt hat. Rührend!!! Ich habe den wunderschönen sommerlichen Weinheimer Marktplatz so oft besucht wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr und so viele Wald-Spaziergänge gemacht wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Mir ist jetzt noch mehr klar in was für einer wunderschönen Umgebung ich die Ehre habe zu leben. Und dafür bin ich unglaublich dankbar. Tausend Dank auch an meinen lieben Frankie und HAMMER Sport (http://www.hammer.de/) für das entsprechende Reha-Equipment mit dem ich in Turbogeschwindigkeit wieder hergestellt werde und so die Möglichkeit habe nicht alles an mühsam antrainierter Fitness zu verlieren.  

 

Ich hatte keine Sekunde auch nur einmal den Gedanken „warum musste mir das jetzt mitten in der so gut laufenden Saison passieren?!“. Keine Sekunde! Ich hatte viel Zeit um viele sinnvolle Dinge aufzuarbeiten die ich mit dem normalen Trainingspensum nur unter größtem Stress hätte bewältigen können. Und ich muss sagen, dass die größten Fortschritte genau dann eingeschritten sind, als ich das Training wieder zu vermissen begonnen habe. Ich habe mir Christian Zippel’s zitierte TOP TEN  (http://www.derwillezurkraft.de/content/training-f%C3%BCr-warrior-%E2%80%93-martin-rooney) zu Herzen genommen...

 

  1. Akzeptieren Sie, dass Sie verletzt sind, und blicken Sie nach vorne.

  2. Überlegen Sie sich, wie es zu der Verletzung kam, damit Ihnen dasselbe nie wieder geschieht.

  3. Bringen Sie so viel wie möglich über die Verletzung und mögliche Behandlungsmethoden in Erfahrung.

  4. Nutzen Sie alle Rehabilitationsmaßnahmen, die Ihnen zur Verfügung stehen.

  5. Arbeiten Sie beharrlich und gründlich an Ihrer Genesung.

  6. Finden Sie alternative Trainingsformen, die Sie trotz Ihrer Verletzung ausüben können.

  7. Konzentrieren Sie sich auf die Bereiche, in denen Sie vor der Verletzung Defizite aufwiesen
    (Ernährung, Mentaltraining, körperliche Schwachstellen usw.).

  8. Schonen Sie die verletzte Körperpartie, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden.

  9. Überlegen Sie sich, was Ihnen die Verletzung mitteilen will.

  10. Behalten Sie die Lektion, die Ihnen die Verletzung erteilt hat, für die Zukunft in Erinnerung.

 

...und mir in der Tat überlegt, WIE und WARUM es zu der Verletzung kam! Auch allen anderen Punkten habe ich Aufmerksamkeit geschenkt.CONCLUSION: Manchmal IST weniger mehr. Und IMMER sollten wir uns auf das KONZENTRIEREN was wir gerade machen. Dann und NUR dann machen wir es auch richtig! Multitasking gibt es nicht. Wenn man Dinge parallel macht, macht man sie nicht zu 100%.Sollte dennoch etwas schief gehen helfen Punkt 1.-10. Das beste aus dieser Situation zu machen. So hat man die Chance stärker und weiser aus dem Unfall/der Verletzung hervorzugehen als man zuvor war.

 

Und das Beste: Der grandiose Dr. Lehmann hat so toll genäht, dass man bald nicht mal mehr sehen wird, dass da an der linken Schulter operiert wurde. Das wird mit Sicherheit die schönste Narbe an meinem Körper :)

 

Der Cologne226 am 2. September wurde nun leider von meiner Wettkampfliste gestrichen. An seine Stelle ist aber der Ironman Florida am 3. November 2012 gerückt.

Ihr hört/lest also bald wieder von mir!

Passt auf Euch auf!

Eure einflügelige Eule :o)