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11. PLATZ ELITE/5. PLATZ DM BEIM IM FRANKFURT 2016

 

Rennbericht eines Marshmallows :-)

Da war er also, der 3. Juli und damit der Ironman Frankfurt 2016. Ersehnt und gefürchtet. Wie bei jeder Langdistanz auch hier wieder ein Tag voller Überraschungen. Wie sagte Sebastian Kienle auf der Siegerehrung am Montag - auch er hat einmal wieder gezeigt bekommen, dass man im Wettkampf nie aufhören darf das Unerwartete zu erwarten. Damit meinte er seinen Kollegen Andy Böcherer der an diesem Tag seine Ironman-Marathonzeit um sage und schreibe 10 Minuten verbesserte und Sebi damit dicht an den Fersen klebte.

Das nicht vollständig aber doch annähernd Unerwartete für mich, war das eine Stunde vor Wettkampfstart ausgesprochene Neopren Verbot für die Profi Starter. Während 3000 Altersklassen Athleten mit Kälteschutz schwimmen durften, wurde den Profis dieser untersagt. Im Nachhinein bedeutete das den Ausstieg mehrerer starker Profi-Athleten. "Tried everything in swim to not freeze so much. Didn't help. Came out of water shaking & never recovered from it", so der Facebook Post von Daniela Ryf, der Top Favoritin des Rennens die nach 20km Radfahren zitternd den Wettkampf Wettkampf sein lies. Kristin Möller nutzte den Landgang beim Schwimmen nach 1500 Metern um das Rennen, welches ja gerade erst begonnen hatte, direkt wieder zu beenden. Diana Riesler endete mit Hypothermie im Krankenhaus. Auch sechs Profimänner beendeten frühzeitig ihre Wettkämpfe. Nicht ganz so drastisch verlief es scheinbar für die übrigen Elitestarter. Dennoch, das Schwimmen bei derartigen Wasser-/Außentemperaturen ist ein definitiver Nachteil ohne Neopren im Vergleich zum Schwimmen mit der wärmenden Schwimmhaut. Sind Wasser und Lufttemperatur sehr viel kälter, sinkt die Körperkerntemperatur um mehrere Grad, da Wasser die Temperatur des Körpers sehr gut ableitet (deshalb macht man z.Bsp. bei Fieber auch kalte Wadenwickel). Ab 35 Grad Körperkerntemperatur kann es schon zu erhöhtem Puls (Tachykardie) und Atmung (Tachypnoe), Gefäßverengung (Vasokonstriktion), sowie Apathie und Koordinationsstörungen kommen. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ein Neoprenanzug die schnellen AK-Athleten noch schneller und die Kälte sowie das Schwimmen ohne Neo die nicht so schwimmstarken Profidamen (mit wohlbemerkt nur 8 Minuten Vorsprung vor dem Amateurfeld und damit 2 Minuten weniger als die Profimänner) noch langsamer gemacht hat. Das führte schließlich zu einem nicht sehr angenehmen Schwimmerlebnis auf den lezten 2km der 3,8km langen Schwimmstrecke, da die schnelleren AK Athleten nicht an Aggressivität sparten um sich über die hinteren Profidamen hinweg zu arbeiten. 

Vom Kalten ging es dann ins noch Kältere ab auf's Rad. Die ganze Friererei hat in den ersten 2-3 Stunden des Rennen enorm viel Energie verbraucht. Wer sich auf der Triathlon Langstrecke ein wenig auskennt weiß, wie wichtig es ist mit seinem Energielevel Haus zu halten. Ohne Energie keine Leistung. Punkt. Zum Glück hatte ich wenigstens trockene Armlinge im Wechselbeutel und zudem einen extra Puffer an Kalorien mit auf dem Rad. Und diese habe ich aufgrund der Kälte und längeren Schwimmzeit dann auch wirklich bitter nötig gebraucht.

Das Radeln war dann recht unspektakulär. Der Radkurs einfach sehr sehr voll, vor allem auf der zweiten Runde. Generell empfand ich die Frankfurter Strecke als eher unruhig. Viele Kurven, ein ständiges Auf- und Ab, tiefe Gullideckel, ruckelige Straßen, Schienen, kleine Schlaglöcher...jetzt ist mir klar, warum die 180km der Challenge Roth schneller zu fahren sind. Trotzdem hatte ich meinen Spaß und kann zudem bestätigen, dass die Wettkampfrichter, zumindest in meiner Umgebung, immer wieder für Ordnung gesorgt haben was das Windschatten fahren anging. Das war schon top!

Der Lauf war im Vergleich zur Radstrecke wirklich grandios. Die vier Runden mit ihren Schlaufen, Brücken und den vielen Zuschauern haben den Marathon viel kürzer erscheinen lassen. Das war hilfreich und hat wirklich Freude bereitet. Auch wenn es auf der dritten und vierten Runde dann anfing weh zu tun. Aber genau so wollen wir das ja auch. Wer will schon ohne Schmerzen einen Ironman finishen? Mit dem Gefühl, dass da noch mehr gegangen wäre ;-) 

Was außerdem sehr erfreulich war, war meine funktionierende Wettkampfernährung. Ich konnte 100% der eingeplanten Energie aufnehmen. Das war bisher noch nicht einmal der Fall. Keinerlei Magenprobleme. Nichts. Das Gel ging runter wie Öl und kam auch dort an wo es gebraucht wurde. Bei der arbeitenden Muskulatur nämlich. Das heißt der Magen hat tiptop mitgemacht. Einfach herrlich, vor allem wenn man jahrelang mit Magenproblemen zu tun hatte. Ich denke es könnte auch meine seit längerem schon glutenfreie Ernährung sein, die ein großes Stück weit geholfen hat Magenprobleme im Keim zu ersticken. Wie dem auch sei, je mehr Energie man im Wettkampf herunter bekommt, desto bessere Leistung bringt man auch, weil der Motor läuft und läuft. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Eines muss ich allerdings noch herausfinden. Woran es nämlich gelegen hat, dass ich während des Rennens kaum Flüssigkeit aufgenommen, ABER unglaublich viel Flüssigkeit verloren habe. Und das während sich gefühlt immer mehr Wasser in meinem Körpergewebe einlagerte. Von Stunde zu Stunde fühlte ich mich immer mehr wie ein erst radelnder und dann laufender Marshmallow. Unfassbar. Obwohl ich keinen Leistungseinbruch erlitt, ganz im Gegenteil. Mit 1,15 Gramm Sodium sollte ich auch genügend Salz aufgenommen haben --> Her mit den Tipps, wenn da jemand eine Vermutung hat! Das hatte ich in 12 Jahren Triathlon noch nicht einmal derart extrem. Auch auf den Bildern ist deutlich zu sehen wie ich im Verlaufe des Rennens immer "puffier" wurde. 

Aber gut. Ich fühle mich gesund und konnte das Rennen so durchziehen wie ich es mir vorgestellt hatte. Klar, das Schwimmen im Neoprenanzug wäre deutlich schneller gewesen und hätte zudem noch einiges an Energiereserven gespart. Aber ein "Wollte, Hätte, Wäre, Wenn" kann man sich im Triathlon wirklich sparen. Irgendwas läuft immer anders.

Meine pre-race wishes, dass meine beiden Athletinnen, Caro und Jenny, die Ziellinie mit einem Lächeln überqueren und ich selbst ein konstantes Rennen haben werde, sind auf jeden Fall mehr als in Erfüllung gegangen. Caroline Fey hat den Vogel abgeschossen mit der schnellsten Schwimmzeit der Damen OVERALL (51:05 Minuten), inklusive aller Profifrauen, einem 19. Platz GESAMT in 9:58 Stunden, einem 3. Platz in ihrer Altersklasse und dem Vize-deuschen Meistertitel in der AK 25-29. Da kann man ja nicht anders als Strahlen. Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass das Caro's erste Langdistanz gewesen ist. Und auch Jenny hat es in 13 Stunden und 14 Minuten ins Ziel geschafft mit einem Lachen im Gesicht und einer wirklich starken konstanten Leistung. Ich bin unglaublich stolz auf die beiden.

Vielen vielen herzlichen Dank an dieser Stelle auch noch einmal an meine Mutter und meinen Bruder, die mir tatkräftig mit ihrem Support den gesamten Tag von früh bis spät zur Seite gestanden haben. Ein weiteres Dankeschön geht an meine lieben Mädels Chrissie und Anne.  Das war so aufmunternd diese beiden Herzensdamen da an der Strecke stehen zu haben und dann noch mit diesem wundervollen selbstgemachten Plakat!!! Sehr sehr geile Sache. Das hat mich sehr gerührt.

Nun hoffe ich, dass ich bald herausfinden kann, was es mit der Wassereinlagerung auf sich hat. Ein bisschen mehr Zeit zum Nachforschen habe ich ja nun, da sich der Körper erst einmal erholen muss und darf bevor es dann auf in die zweite Saisonhälfte geht.

Am 31. Juli steht schon der Heidelbergman als nächster Programmpunkt an, auf den ich mich auch schon unglaublich freue.

Speak soon!

Eure Celia-Marshmallow-Powereuli :-)

Chrissie & Anne: I LOVE YOU TOO!!! :-) <3